Buchvorschau „Die Pflege der Sterbenden“

Buchvorschau „Erlebenswelten“
18. August 2021
Vorträge und Erzählungen von Sabine Wöger zum Anhören und Downloaden
17. November 2021

Buchvorschau „Die Pflege der Sterbenden“

Zum Verfassen dieses Buches fühlte ich mich insbesondere durch Angehörige von Schwerkranken motiviert. Der oftmals geäußerte Wunsch, einem geliebten Menschen das Sterben im vertrauten Heim zu ermöglichen, ist von einer vagen Unsicherheit begleitet: „Habe ich die Kraft, um diese Aufgabe zu erfüllen?“, „wie sehr kann ich mit der dauerhaften Unterstützung der Familie und des sozialen Umfeldes rechnen?“ und „pflege und begleite ich `richtig`?“  Die Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen trug wesentlich zum Rückgang der mitmenschlichen Gemeinschaft bei. Das Sterben wurde zunehmend aus den eigenen vier Wänden verbannt und an Einrichtungen des Gesundheitswesens delegiert, wo der Tod häufig individuell und einsam bewältigt werden muss.

Heutzutage haben die meisten Menschen kaum noch Erfahrung in der unmittelbaren Begleitung Sterbender und es verfestigte sich immer mehr die irrtümliche Annahme, dass ein gutes Sterben nur noch im Beisein von Fachkräften oder in einer Pflegeeinrichtung erfolgen kann.

Der Tod ist vor allem in den psychotherapeutischen Gesprächen präsent. Sterben zu müssen, ehe man gelebt hat, löst Trauer, Verbitterung und (Todes-)Angst aus. Jedoch kann gerade der Tod auch zum Motivator für eine gewissenstreue und sinnerfüllte Lebensführung werden. Das Vergangene ist vorbei, die Zukunft ist ungewiss. Nur im Hier und Jetzt können wir personale Antworten auf die Fragen, die das Leben an uns richtet, geben.

Seit vielen Jahren engagiere ich mich für die Implementierung einer Hospiz- und Palliativkultur in geriatrischen Langzeitpflegeeinrichtungen. Immer lauter wird dort der Ruf nach der Wieder-Ermöglichung des „natürlichen Sterbens“. Pflegende wollen die wertvolle Arbeitszeit nicht mit dem Abarbeiten überbordender Bürokratie und mit dem Erfüllen von unreflektierten Routinen vergeuden. Hingegen haben sie das ehrliche Bedürfnis, mit den Sterbenden in Beziehung zu treten, sich in Ruhe dem Seienden zuzuwenden, und den Sterbenden individuell und mitmenschlich zur Seite zu stehen. 

Der Körper hilft uns nicht nur beim Leben, sondern auch beim Sterben. Die Kräfte zum Geboren-Werden, Leben und Sterben sind naturgegeben in uns angelegt. Die Lesenden erhalten Informationen rund um den natürlichen Sterbeprozess und wie wir dazu beitragen können, diesen Übergang würdevoll zu gestalten. Auf belastende Symptome infolge von schweren Krankheiten wird nicht eingegangen. Begegnungs- und Berührungsängste mit Sterbenden, auch die Furcht vor dem eigenen Sterben, sollen durch diese Schrift weniger werden. 

Das Buch richtet sich an pflegende Angehörige, Pflegepersonen und an interessierte Menschen.

Das Buch erscheint im Frühjahr 2022.